Am 17. Februar hat die serbische Provinz Kosovo seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt. Kosovarische, serbische und russische junge Menschen kommentieren.
Unabhängigkeit des Kosovo: Eure Reaktionen
VOX POP
Traduction : Katharina Kloss
20/02/08
Tags : multilinguisme, futur de l'Europe, multiculturalisme, pays voisins, Nationalisme, Europe, frontières de l'UE, identité, Kosovo, Serbie, droits de l'homme, Balkans, Opinion,
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9 Uhr, 17. Februar. ‘Palast der Jugend’ Einkaufszentrum, Priština
“1999 war ich 13 Jahre alt. Seit ich klein bin habe ich viel Schlechtes im Kosovo erleben müssen. Deshalb ist der Moment, in dem die Unabhängigkeit erklärt wurde, unersetzbar, unvergesslich, positiv betörend und fast nicht zu glauben.
Ich wusste, dass dieser Tag kommen würde. Allerdings hatte ich das Gefühl, dass ‘Ein unabhängiges Kosovo’ durch die vielen Verhandlungen und Aufschübe nur ‘metaphorisch’ war und mehr versuchte, als die Gesellschaft in diesem Augenblick fähig war zu geben.
Am 17. Februar war ich in den Straßen und habe in so viele glückliche Gesichter geschaut: ich habe mich frei gefühlt, verspürte die eigene Identität und Würde. Ich merkte, dass ich zu diesem ‘Global Village’ dazugehöre.
Ich war an diesem Tag auch besorgt; eine neue Übergangsphase, der wirtschaftliche Umbruch, der Aufbau eines neuen Staates und viele andere Aufgaben würden eine Herausforderung für uns sein - für uns junge Kosovaren, die wir morgen das Sagen im Land haben werden. Ich bin jetzt motivierter, ein Studium anzufangen. Ich arbeite härter daran, zu einem neugeborenen Land und dessen europäischer Zukunft beizutragen.
Der neue Staat des Kosovo wird auch eine Herausforderung in Bezug auf die nationale Identität sein. Wir haben eine neue Flagge und neue Nationalsymbole. Die Menschen sind in zwei Lager gespalten: sie fühlen sich einerseits als Kosovaren, wollen andererseits aber Albaner bleiben. Diese Identitätskrise könnte nationalistische Töne provozieren - als Zeichen der Angst, seine ethnische Zugehörigkeit zu verlieren.”
Gëzim Visoka aus Podujevo, Student, 21, Priština
13 Uhr 40, 17. Februar, Trafalgar Square, London
“Ich bin am Boden zerstört, absolute wütend! Durch diese Hals-über-Kopf-Entscheidung werden die Spannungen in der Gegend nur noch schärfer. Der Schritt der internationalen Gemeinschaftstruppen zwingt Serbien, einen großen Teil seines historisch gewachsenen Territoriums abzugeben, der zudem von Menschen bevölkert ist, die ursprünglich in das Land immigriert sind.
Die Serben haben Mist gebaut, indem sie lieber auf das Militär zurückgriffen, als eine friedliche Lösung zu finden, um die Gemeinschaft besser zu integrieren. Aber niemals könnte ich mir ein Großbritannien vorstellen, das aufgrund der hohen Anzahl indischer Einwanderer plötzlich Leicester an Indien abgibt. Die Versöhnung und das Miteinander in einem Land hätten durch bessere Bildung weiter vorangebracht werden müssen.
Die Heimat der Kosovo-Albaner ist bereits Albanien - also warum eine albanische Regierung auf serbischem Territorium haben? Wo sind hier eigentliche die Unterschiede zur Okkupation? Es verhält sich anders mit Völkern, wie den Juden, die kein Heimatland hatten, in das sie hätten zurückkehren können. Es ist auch etwas anderes, wenn die Türkei sich die Hälfte von Zypern schnappt - frag doch die Zyprioten, was mit der Hälfte ihres lebendigen orthodoxen Kulturerbes geschehen ist, das sie verloren haben.”
Anonym aus Sankt Petersburg, 25, Student, lebt in London
16 Uhr, 17. Februar. ‘Place de la République’, Paris
“Die Serben haben den Kosovaren ihre Nationalität, Land, die Möglichkeit, ihre eigene Sprache zu lernen gegeben. Sie konnten ihre Religion ausüben und nun jagen sie mehr als 250.000 Serben aus dem Kosovo, vermehren sich ultrarapide, wollen die Serben übertrumpfen und nun ihre Unabhängigkeit. Unglaublich!
Im Gegensatz zu anderen ehemaligen jugoslawischen Ländern, die beispielsweise vor Tito selbständig waren, war das Kosovo nie unabhängig. Das Kosovo war und wird immer ein Teil von Serbien bleiben, egal wer dort wohnt.
Werden nun neue Unruhen in der Region ausbrechen? Ich denke an meinen Vater, meinen Bruder, Freunde und das ganze Land, das bereits durch die Jahre des Kommunismus und die ‘Wirtschaft der Zerstörung’ - Nato-Bomben, Embargo und Sanktionen - zermürbt sind.
Ich halte mich persönlich eher aus der Politik heraus, aber heute sorge selbst ich mich um die Zukunft der Serben im Kosovo, wenn ich die Argumente der pro-amerikanischen Staaten höre, die entschieden haben, Serbien die Integrität und den Übergang so schwer wie möglich zu gestalten, also eigentlich unmöglich.”
Ana Stojakovic aus Belgrad, 27, Internationale Wirtschaftsberaterin, lebt in Paris
Intext-Fotos: Die kosovarische Unabhängigkeitsskulptur vor dem Einkaufszentrum (Flora Loshi), 500 Serben demonstrierten in Paris (Ana Stojakovic), Feierlichkeiten auf Londons Trafalgar Square (grange85/ Flickr), Homepage und Inbox: Feierlichkeiten in Genf (iGenc/ Flickr)
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